EIN BERLINER JUDE: GAD B.

Er war der perfekte Nazi-Feind: ein schwuler, kommunistischer Jude. Arbeiterklasse, mutig und unerschrocken. Gad bereitete junge Juden auf ihr Leben in Palästina vor, bis die Nazis Emigration verboten. Dann ging er in den Untergrund und baute geheime Wege über die Alpen in die Schweiz auf. Gads große Liebe war Manfred. Aber eines Tages holten die Nazis Manfred und seine Familie ab und brachten sie ins jüdische Altersheim in der Großen Hamburger Straße, das von den Nazis als Deportationslager missbraucht wurde. Von hier wurden die Juden „in den Osten“ gebracht. Gad leistete Zwangsarbeit in einer Schreinerei, sein Boss war nett zu ihm. Als er ihm seine Sorgen mitteilte, sagte dieser zu Gad: „Guck mal, da hängt die HJ-Uniform meines Sohns.. Nimm sie, und schau, was du machen kannst.“ Gad sah lächerlich aus: viel zu groß, viel zu alt für die Hitler-Jugend. Aber in Berlin, Preußen, machte jede Uniform Eindruck, und jeder gute Nazi sah nur die HJ-Uniform. Gad ging zum großen Haus in der Großen Hamburger Straße und redete auf die SS-Wache ein. „Ihr habt da so einen Juden drin, Manfred. Den brauche ich. Er hat die Schlüssel zur Werkstatt meines Vaters. Wir kommen nicht rein und können nicht arbeiten, deshalb brauche ich den Juden jetzt. Wenn er uns die Schlüssel gegeben hat, bringe ich ihn zurück.“ Es klappte: Manfred wurde gesucht und an Gad übergeben. Als sie weggingen, rief der SS-Mann hinter ihnen her: „Aber dass du mir ja den Juden zurückbringst!“ Darauf Gad, ganz lässig: „Was soll ich denn mit ’nem Juden?“ Um die Ecke redete er auf Manfred ein, „Schnell, los jetzt, ich habe Kleider für dich, du verschwindest hier, los!“ Manfred antwortete: „Nein, ich kann nicht. Wenn ich jetzt meine Familie verlasse, werde ich niemals frei sein“. Manfred kehrte zurück. Er und seine Familie wurden in Auschwitz ermordet.